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Naturjuwel Fellhorn - Chronik einer Zerstörung durch den Skitourismus
Seit den 80er Jahren engagiert sich die BUND Naturschutz für den berühmten „Blumenberg Fellhorn“. Die Anfänge der Skigebietserschließung begannen mit Strafzahlungen für den damaligen „Landschaftsfrevel“

In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde der Berg für den Skibetrieb immer weiter optimiert: Pistenbau, zunächst weitere Schlepplifte, später Sessel- und Gondelbahnen, ein Beschneiungsystem, das sukzessive erweitert wurde. Nun ist es der „Blaue Ring“, der das komplette Obere Skigebiet bequemer zu befahren und für Anfänger tauglich machen soll. Großflächige Pistenplanierungen, den Neubau der Berg- und Talstation der Scheidtobelbahn und viele Eingriffe mehr fordert das neue Blauer-Ring-Geschäftskonzept. Auch ein neuer Schneiteich mit erforderlichen Anschlüssen an die Beschneiungsleitungen stehen bevor – Klimaanpassung nennt man das heutzutage.
Natürliche Bergmatten, blütenreiche Alpweiden, Alpenrosengebüsche und uralte Bergwälder wurden als Lebensraum für ebenso spezialisierte und seltene Tierarten dafür geopfert und Biotopflächen direkt oder schleichend dezimiert.
Der Blumenberg wurde und wird weiter zu einem Flickenteppich aus Pistenflächen mit naturferner Begrünung, Beschneiungsanlagen und teils massiver Infrastruktur für den Wintertourismus umgebaut.
Die ursprüngliche Natur wurde massiv zurückgedrängt, doch eine Gesamtsicht aller bisheriger Maßnahmen und Eingriffe sowie eine entsprechende „ökologische Verlustbilanz“ der letzten 60 Jahre wurde von den Profiteuren der Zerstörungen, den Bergbahnen, nie vorgelegt.
Dabei gibt es bereits aus dem Jahr 1985 eine vom Verein zum Schutz der Bergwelt e.V. veröffentlichte Untersuchung zu „Ökologische Schäden durch den Massenskisport – Entwicklung und Veränderung des Skigebietes am Fellhorn bei Oberstodrf /Allgäu von 1953-1982 durch seine Erschließung für den Massenskisport“. Die damaligen Schäden werden in Text, Karten und Bildern benannt und können als wissenschaftlich abgesicherte, gut untersuchte Referenz für die Anfänge dienen. Diese Veröffentlichung ist hier zugänglich: Jb-Verein-Schutz-Bergwelt_50_1985_0107-0159.pdf
Auch nach und trotzt diesen bereits frühzeitig wissenschaftlich belegten Naturschäden wurden in den weiteren Jahrzehnten immer wieder Eingriffe zur Optimierung des Skibetriebes durchgeführt, die wir aus eigenen Quellen, der o.g. Fachliteratur und aus Angaben der Fellhornbahn zusammengestellt haben:
- Fellhornbahn Ausbau für Massenskisport, Chronik seit 1964
Aktuell sind wir wieder mitten in einer massiven Ausbauphase. In mehreren Verfahren werden flächenhafte Eingriffe im Skigebiet durchgeführt und weitere sind geplant:
- Der Neubau der Scheidtobelbahn (zwar auf der bisherigen Trasse, aber 300 m verlängert mit neuer Berg- und Talstation)
- Die Neuordnung von Pisten und deren Beschaffenheit, damit eine Durchgängigkeit für Ski-Anfänger geschaffen wird („Blauer Ring“)
- Der Neubau eines riesigen Speicherteichs (Fassungsvermögen 170.000 m³)
Die teils genehmigten und durchgeführten, teils noch in Planung befindlichen Vorhaben (Speicherteich) wurden und werden in den Jahren 2025-2028 realisiert. Umweltrechtliche Vorgaben wurden durch die speziell auf die Bedürfnisse des Wintersportes zugeschnittene Gesetzesänderung des Modernisierungsgesetzes erleichtert und Klageverfahren dadurch erschwert. Ein breites Bündnis von Umweltverbänden unter dem Dachverband Cipra hat sich gegen dieses Modernisierungsgesetz und dadurch ermöglichten Eingriffe am Beispiel des Fellhorns ausgesprochen. (Pressemitteilung Bündnis Rettet die Berge)
Ab Herbst 2025 wurden vor Ort bereits Pistenbereiche für die Nutzung von Skianfängern „hergerichtet“, massive Baumfällungen fanden im darauffolgenden Winter statt. Drastische ökologische Schäden sind dann durch Pistenplanierungen vor allem im Herbst 2026 erfolgt, nachdem der LBV seine Klage zurückgezogen und damit ein gerichtlicher Baustopp aufgehoben wurde. (Pressemittelung LBV)
Rund die Hälfte der aktuell neu planierten oder bebauten Flächen fanden auf zuvor intakten und geschützten Biotopflächen statt. Im Detail wurden massive ökologischen Schäden im Bereich der Scheidtobelbahn (neue Berg- und Talstation) und für Anfänger tauglicher Pistenverbindungen im Bereich der Bierenwang Familienabfahrt, der Scheidtobel-Querung, im weitläufigen Umfeld der neuen Scheidtobel-Talstation und oberhalb der Schwendhütte (Obere Familienabfahrt) „in Kauf genommen“, um den Skibetrieb in ökonomischem Sinne zu „optimieren“.
Das Bautagebuch der Bergbahn zeigt dabei nur ansatzweise das Ausmaß der Eingriffe: Bautagebuch Scheidtobelbahn | Fellhorn | Oberstdorf
Ende September 2026 haben wir uns ein Bild vor Ort gemacht, hier die aktuelle Fotodokumentation:
Gleichzeitig bleiben die Restflächen des Blumenbergs Fellhorn ein Biotopkomplex von landesweiter und nationaler Bedeutung. Wer hier weiterhin Pisten, Bahnen und künstliche Beschneiungssysteme reinplaniert, zerstört über Jahrtausende gewachsene Lebensraumstrukturen der ohnehin durch den Klimawandel bedrängten Natur.
Das Mosaik aus verschiedensten Biotopen wie z.B. Hangmooren, Silikatmagerrasen, Alpenrosengebüschen und uralten Bergwäldern beinhaltet auch Lebensräume für seltene und extrem gefährdete Tierarten wie Birkhuhn, Alpensalamander, Waldbirkenmaus sowie zahlreiche seltene Tagfalter.
Hier finden Sie die Arten- und Lebensraumvielfalt Fellhorn
Die Planungsunterlagen selbst bescheinigen dabei, dass die meisten dieser naturschutzfachlich hochwertigsten Biotopflächen und Lebensräume auch langfristig nicht wiederhergestellt werden können.
Ist uns es uns der „Blaue Ring“ als neues Geschäftsmodell der Fellhornbahn wert, dass extrem seltene und geschützte Lebensräume unwiederbringlich verloren gehen?
Liegt das überragende öffentliche Interesse wirklich beim alpinen Skisport, der Ressourcen wie Energie, Wasser und Biodiversität massiv verbraucht und auch aufgrund der hochpreisigen Tickets keinesfalls mehr ein Segment des Breitensports für die Bevölkerung ist?
Ist es dem „öffentlichen Interesse“ wirklich wichtiger in Zeiten des Klimawandels nochmal in planierte Kunstschneepisten zu investieren als über Jahrtausende gewachsene Natur zu schützen?
Wir setzen uns für den Erhalt der natürlichen Lebensräume und gegen den massiven Ausbau der Skipisten und ihrer Infrastruktur ein! Wir dokumentieren die Eingriffe und lassen nicht locker! Bitte unterstützen Sie uns!




