Das Fellhorn - ein Naturjuwel von nationaler Bedeutung



Seit den 80er Jahren engagiert sich die BUND Naturschutz Kreisgruppe gemeinsam mit dem BN-Landesverband und der BN-Ortsgruppe Oberstdorf für den Naturschutz am Fellhorn. Denn der berühmte „Blumenberg Fellhorn“ wird seit Jahrzehnten für den Skibetrieb optimiert. Seither wird der Berg zunehmend in einen Flickenteppich aus Pistenflächen mit naturferner Begrünung, Beschneiungsanlagen und teils massiver Infrastruktur für den Wintertourismus umgebaut und die ursprüngliche Natur zurückgedrängt. Eine Gesamtsicht aller bisheriger Maßnahmen und Eingriffe sowie eine entsprechende „ökologische Verlustbilanz“ der letzten 50 Jahre wurde nie vorgelegt, die Zerstörungen der vergangenen Jahre sind offenbar nicht summiert oder dokumentiert.
So wurden seit Anfang der 1990er Jahre immer wieder Eingriffe zur Optimierung des Skibetriebes durchgeführt: Schneekanonen, Speicherteich und Beschneiungssystem, Bau von Bergbahnverbindungen und Pisteneingriffe wurden in mehreren Phasen intensiviert, Alpenrosengebüsche und alpine Matten und Moore mussten immer wieder weichen.
Aktuell sind wir wieder mitten in mehreren Verfahren, die in Summe einen erneuten, sehr schweren Eingriff in das Gebiet bedeuten:
- Der Neubau der Scheidtobelbahn (zwar auf derselben Trasse, aber 300 m verlängert)
- Die Neuordnung der Pistenbeschaffenheit, damit eine Durchgängigkeit für Ski-Anfänger geschaffen wird („Blauer Ring“)
- Der Neubau eines riesigen Speicherteichs (Fassungsvermögen 170.000 m³)
Die teils genehmigten, teils noch in Planung befindlichen Vorhaben sollen in den Jahren 2025-2028 realisiert werden. Einige Pisten wurden bereits „bearbeitet“ und aktuell wurden Baumfällungen im Bereich des Scheidtobels und im Bereich unterhalb der Scheidtobel-Talstation vorgenommen. Doch gleichzeitig ist der Blumenberg Fellhorn ein Biotopkomplex von landesweiter und nationaler Bedeutung. Wer in diesen Blumenberg weiterhin Pisten reinplaniert, zerstört über Jahrtausende gewachsene Lebensraumstrukturen der ohnehin durch Tourismus und Klimawandel bedrängten Natur. Das Mosaik aus verschiedensten Biotopen wie z.B. Hangmooren, Silikatmagerrasen und Alpenrosengebüschen beinhaltet auch Lebensräume für extrem gefährdete Tierarten wie Birkhuhn, Alpensalamander, Zwergbirkenmaus und zahlreiche seltene Tagfalter.
Der Berg bildet in den Allgäuer Alpen bis heute einen „Hotspot der Artenvielfalt“, allein zwölf verschiedene Enzianarten gibt es hier, und auch Murmeltiere fühlen sich wohl.



Die in den verschiedenen Antragsunterlagen verteilten, bisherigen Eingriffsplanungen haben wir mühsam zusammengetragen. Nach unseren Berechnungen werden nun rund sieben Hektar Pisten planiert, konkret sind die Eingriffe auf der Familienabfahrt/90-Grad-Kurve, Bierenwang-/Walsergundabfahrt und Scheidtobelbahn mit Pistenanbindungen geplant, der Speicherteich ist hier noch gar nicht eingerechnet. Dabei sind rund 2,6 Hektar bislang noch intakte Lebensräume betroffen, die durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Biotopflächen darstellen. Die Planungsunterlagen selbst bescheinigen dabei, dass die meisten dieser naturschutzfachlich hochwertigsten Lebensräume auch langfristig nicht wiederhergestellt werden können. Und auch der Biotopverbund für geschützte Tierarten wird dadurch eklatant verschlechtert.
Ist uns es uns der „Blaue Ring“ als neues Geschäftsmodell der Fellhornbahn wert, dass extrem seltene und geschützte Lebensräume unwiederbringlich verloren gehen? Liegt das überragende öffentliche Interesse wirklich beim alpinen Skisport, der ohnehin immer mehr weg vom Breitensport und hin zum Luxussport tendiert? Und wollen wir eine Winter-Tourismusinfrastruktur ausbauen, der durch den Klimawandel selbst eine prognostizierte Endlichkeit zum Ende des Jahrhunderts vorgegeben ist? Ist es dem „öffentlichen Interesse“ wirklich wichtiger, nochmal in planierte Kunstschneepisten zu investieren als über Jahrtausende gewachsene Natur zu schützen?
Wir setzen und für den Erhalt der natürlichen Lebensräume und eine naturverträgliche Alpwirtschaft ein - und gegen den Ausbau der Skipisten und ihrer Infrastruktur!
Bitte unterstützen Sie uns!
Aktuell: Baumrodungsmaßnahmen im März 2026






Hier sehen Sie schon die Rodungen von Schutzwald - auch im FFH-Gebiet für die Scheidtobelbahn, den Swisscord und die 90Gradkurve/Familienabfahrt. Bildrechte liegen bei der Kreisgruppe Kempten - Oberallgäu.