Naturdenkmal Eisenbreche

An dieser Stelle soll eine 5 m hohe und 9 m breite Staumauer den Wildfluss zähmen.

Wasserkraftwerk bedroht einen Wildfluss

Die einmalige Klamm im Hintersteiner Tal ist seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Visier der Energiewirtschaft. Mehrmals schon konnte eine breite Allianz mit dem BN vornedran drohende Erschließungspläne zu Fall bringen. Nun bedroht aufs Neue ein geplantes Wasserkraftwerk das Naturdenkmal von nationaler Bedeutung im Naturschutz- und FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) Allgäuer Hochalpen.
Aus naturschutzrechtlichen Gründen ist so eine Anlage nicht genehmigungsfähig und dieser Tatbestand wurde von den zuständigen Behörden vor nicht allzu langer Zeit unterstützt und bestätigt.

"... da die letzten Reste natürlicher Fließgewässer unverändert zu erhalten sind." Mit dieser Begründung lehnte vor gut zehn Jahren die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Oberallgäu den damaligen Antrag auf die Errichtung eines Wasserkraftwerkes an der einmaligen Klamm Eisenbreche ab.

Die Regierung von Schwaben ist sich der Besonderheit dieser Gebiete bewusst. "Diese Fließgewässer mit einem hohen Maß an Natürlichkeit stellen das ökologische Rückgrat des Naturschutzgebietes dar; von ihr und ihrem Zustand wird das ökologische Regime eines weiten Umfeldes bestimmt." Mit dieser Begründung lehnte die Regierung von Schwaben erst 2009 den Bau eines Wasserkraftwerks an der Stillach in Oberstdorf ab, die im gleichen Naturschutz-und FFH-Gebiet liegt.

Trotzdem reichte die Planungsgesellschaft Kraftwerk Älpele mb ihren Antrag auf den Bau des Wasserkraftwerks beim Landratsamt Oberallgäu zur Prüfung ein - mit Erfolg!

Ein Wildfluss verliert seine lebensnotwendige Dynamik

Die Wildschlucht soll durch einen Seitenstollen ihrer natürlichen Dynamik beraubt werden. Zur Kosmetik würde das geplante Einlaufbauwerk in einen von der Giebelhausstraße nicht einsehbaren Bereich oberhalb des Klammtores (siehe Karte rechts) in eine wunderschöne Tobelstrecke gelegt. Die Staumauer würde den Wildbach auf ca. 100 m Länge rückstauen und in ein stehendes Gewässer verwandeln. Hinter der Mauer wäre der Wasserabluss im Jahresdurchschnitt um ca. 57 % vermindert. Lebenraum für Tiere schnell fließender Gewässer ginge verloren.

ein Renditeobjekt lokaler Genossenschaften

Begründet wird das Ganze damit, dass neun Millionen Kilowattstunden und 3000 Haushalte mit „grundlastfähigem“ Strom versorgt werden können. Bei genauerem Studium der Planungsunterlagen entpuppt sich das ganze alllerdings als Mogelpackung. Es gibt überhaupt keine Pegelmessungen im Kraftwerksbereich. Zugrundegelegt wurden Messungen weit draußen fast bei Sonthofen, die das gesamte Einzugsgebiet der Ostrach umfassen. Damit nicht genug: Zur Leistungsberechnung wurden Monatsgesamtwerte genommen, völlig ungeachtet dessen, dass in der Hauptlaufzeit im Frühsommer z.B. mit Gewitterregen kurzzeitig Hochwässer die Eisenbreche hinunterrauschen, die eneregietechnisch nicht nutzbar sind und die Stunden später wieder abschwellen. Dass das Kraftwerk mindestens fünf Monate vor allem im Winter gerade bei hohem Energiebedarf (siehe Beschneiungsanlagen) nicht läuft, weil die Restwassermenge stark unterschritten ist, bestreiten nicht mal die Planer. Dass aber in Jahren wie 2013 auch weite Teile des Spätsommers kaum Wasser vorhanden ist, lässt die mögliche Nutzung noch einmal schrumpfen. Und gerade im Frühsommer drückt oft Windenergie in gesättigte Märkte.

Also von wegen grundlastfähig und Strom für 3000 Haushalte. Es geht nicht vorrangig um ein allgemeines öffentliches Interesse, sondern um ein Renditeobjekt lokaler Genossenschaften.

Die Wasseramsel braucht naturbelassene Fließgewässer mit hoher Fließgeschwindigkeit.
Weniger Wasser in der Klamm bedroht den Rückzugsraum des Alpensalamanders in trockenen Sommern.
Der Oberlauf der Ostrach mit der sich anschließenden Eisenbreche. Die Staumauer würde oberhalb des Klammtores gebaut (siehe Markierung, ungefähre Angabe).
Ein Wildfluss braucht den ungezähmten Lauf des Wassers. Feinschlamm aus Stauwasser gefärdet Tiere und Pfanzen entlang des Bachbettes.
Es gibt sie nur noch selten: ungezähmte, natürliche Fließgewässer. In Bayern können 5 % als naturnah eingestuft werden.

Stauwasser ist nicht geleich natürlichem Hochwasser

Und dafür soll dieser großartige Rest urwüchsiger Natur seiner seit Jahrzehntausenden laufenden Dynamik beraubt werden, sollen die Lebensgemeinschaften auf Restwasser von Betreibers Gnaden angewiesen sein und in regelmäßigen Abständen schwallartig aus einer geöffneten Bauchklappe mit Geschiebe bedacht werden, d. h. mit dem, was sich sortiert hinter der Staumauer angelagert hat und nicht mit der lebenswichtigen, natürlichen Mischung wie bei Hochwässern. So kann Feinschlamm seine tödliche Fracht auf viele Kilometer flussabwärts ausbreiten. Und die Planer sprechen sogar noch von einer Aufwertung des FFH-Lebensraumtyps.

Der Naturschutz würde entwertet

Wenn die Eisenbreche fällt, fällt auch in gewisser Weise das gesamte Bayerische, Deutsche und Europäische Naturschutzrecht. Wenn ein lokales Renditeprojekt glasklar formulierte Verbote in den Schutzgebietsverordnungen als vorrangiges öffentliches Interesse aushebeln kann, werden Dämme brechen. Es droht eine Lawine von Großplanungen mit der gleichen Argumentation nicht nur von Seiten der Energiewirtschaft sondern auch der Tourismusindustrie, die die noch geschützten Zonen des letzten halbwegs zusammenhängenden Naturraumes Mitteleuropas entwerten.
In Bayern sind nur 1,7 Prozent der Landfläche als Naturschutzgebiet gesichert und nur 5 Prozent der Fließgewässer laufen ungestört.

Aktuelle Infos

... zur gegenwärtigen Situation um die Eisenbreche finden sie unter Aktuelles.

Stellungnahmen

... der Naturschutzverbände, die gemeinsam für den Erhalt der Eisenbreche in ihrer natürlichen Form kämpfen:

Stellungnahme des BN

Stellungnahme des LBV

Stellungnahme des VzSB

Position des BN Bayern

Position des BfN

Es war (schon) mal

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Berichte aus den Medien

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