Die Tanne

„Oh Tannenbaum“ besingen wir unsere geschmückten Nadelgehölze zur Weihnachtszeit. Doch kaum ein Weihnachtsbaum ist eine heimische Weißtanne, vielmehr ist es die Fichte oder ein ausländischer Plantagenbaum, unter denen die Geschenke liegen… international ist die Weihnachtsbaumindustrie mit Kaukasus-Tanne (= Nordmanntanne), Korea- und Colorado-Tanne aufgestellt. Die heimische Weißtanne, mit 60 m möglicher Wuchshöhe, einer Lebenserwartung von bis zu 600 Jahren und mit einer starken Pfahlwurzel stabil im Untergrund verankert, ist heute jedoch eine Rarität.

Eigentlich einheimisch...

Dabei müsste die Weißtanne etwa zu einem Drittel im Allgäuer Bergmischwald vertreten sein – wären da nicht Mensch und Wild. Doch nach der mittelalterlichen Waldausbeutung war es forstlich zunächst interessanter die schnellwüchsige Fichte zu pflanzen. Und wo sich doch Tannen halten konnten, werden ihre Abkömmlinge bald Opfer eines bis heute zu hohen Wildbestandes,- die im Gegensatz zur Fichte weichen, aromatischen Nadeln werden von Reh- und Rotwild genüsslich verspeist. Am Waldboden liegende „Tannenzapfen“ stammen übrigens stets von der Fichte, da Fichtenzapfen im Ganzen abfallen, während die aufrecht stehenden Tannenzapfen in der Baumkrone verbleibend ihre Samen verstreuen.

Ohne eine massive forstliche Förderung und ohne konsequente Jagd bleibt die ehemals weit verbreitete Tanne ein seltener Gast in unseren Wäldern. Dabei gilt sie als Hoffnungsbaum des Klimawandels, weil ihre Verjüngung im Walddämmerlicht und eine tiefgründige Durchwurzelung in mehrfacher Hinsicht eine Klimatoleranz bedeuten. Ebenso selten findet man die heimische Weißtanne (Abies alba) als städtischen Einzelbaum, zumal sie empfindlich auf Luftschadstoffe reagiert. Ob es wohl in Kempten eine Stadt-Tanne gibt?