Ortsgruppe Oberstdorf

Von Michael Finger, 1. Vorsitzender

In Oberstdorf ist der Aus-, Um- und Neubauboom ungebremst - neben der Modernisierung der Nebelhornbahn ist auch der Ausbau des Skigebiet Söllereck voran geschritten und es wurden die Bauten und das neue, vielfach größere Speicherbecken für die Nordische Ski WM 2021 begonnen. Auch ein neues, rund 170 Millionen Liter fassendes Schneibecken für das Skigebiet Fellhorn ist in der Planung. Insgesamt werden in den Schneiteichen rund um Oberstdorf etwa 450 Millionen Liter Wasser für die künstliche Beschneiung vorgehalten, hinzu kommen Direktentnahmen aus Bächen und der Trinkwasserversorgung.

Die laufende Antragsflut ist trotz hohem ehrenamtlichen Einsatz und trotz der enormen fachlichen und zeitlichen Unterstützung der BUND Naturschutz-Kreisgruppe nicht zu bewältigen. Denn neben den genannten Großprojekten am Berg kommen auch Vorhaben und Eingriffe im Tal hinzu: so haben wir eine Initiative gegen das Gewerbegebiet im Rubinger Auwald am Illerursprung gegründet, nähere Infos und eine Online-Petition finden Sie auf der Webseite www.stop-karweidach.de
Hierzu wurde eine Stellungnahme mit Möglichkeit zu einer Klage verfasst.

Große Sorgen bereitet uns der Tagestourismus mit der hohen Belastung des Individualverkehrs entlang der B 19 und in den Orten Fischen und Oberstdorf. Hierauf zielte die „Pressebombe“ der Ortsgruppe, in der wir lokal ein 100-Euro-Parkticket pro Tag forderten. Dies, um den Individualverkehr samt Feinstaubbelastung, Energieverbrauch, Staus, Parknot und überfüllten Freizeitgebieten in Bahnen zu lenken. Schnell wurde dies Forderung bayernweit bekannt und bekam mehr Lob als erwartet, da der Verkehrskollaps sowohl in Städten als auch in Freizeitgebieten zunehmend als gesamtgesellschaftliches Gesundheitsrisiko und insbesondere klimarelevantes Problemfeld anerkannt wird.

Trotz des Pressewirbels um das 100-Euro-Parkticket wird unsere Arbeit im Stillen, z.B. in Absprachen mit Planern und Behörden, offenbar zu wenig wahrgenommen. Nur so lässt sich erklären, dass ein Mitglied des Umweltgremium der Nordischen Ski-WM meinte, dass hier mit dem Umweltschutz alles „ok“ sein muss, da man „die Naturschützer“ kaum höre. Dabei haben wir in einer ausführlichen Stellungnahme die immer wieder zusätzlichen Eingriffe für ein paar Tage WM-Event grundsätzlich abgelehnt und fachlich insbesondere die heimliche Etablierung von Schneedepots über Sommer - neudeutsch „snowfarming“ - heftig kritisiert und für die Zukunft außerhalb der WM hoffentlich auch unterbunden! Dennoch liegt die Unschuld der Nachhaltigkeit der nordischen Ski WM 2021 bereits jetzt unter 40 Schneekanonen, 2 Kühltürmen, 10 Kilometer Schneileitung, 5000 m² Fläche für Snowfarming und einem neu in Wald gebauten, 40-Millionen-Liter-Speicherbecken unwiederbringlich begraben …
Stellungnahme 2019: Spairube Erweiterung
Stellungnahme 2018: Errichtung eines neuen Speicherteiches für die Beschneiung sowie Entnahme von Wasser aus der Stillach für die Befüllung

Zusätzlich haben wir uns 2019 für Ideen zur Besucherlenkung im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen und in der Hörnergruppe eingesetzt, zahlreiche Beiträge für Radio ,TV und Printmedien bewältigt, - so auch mit der Uni Stuttgart, die einen kurzen Film zum Thema Klimawandel gedreht hat. 

Auch die Nebelhornbahn beantragte den Umbau zu einer Zweiseilumlaufbahn mit 10er Kabinen. Es erfolgten gute Gespräche mit Beteiligten und grundsätzlich haben wir nichts gegen die auf der bestehenden Trasse geplante Modernisierung. Es bleibt jedoch abzuwarten was in der Folge passiert, da sich die Kapazität der Bergbahn verdoppelt bis theoretisch verdreifacht. Dies wird sich immer zum Nachteil der Natur auswirken, sei es beim Straßenverkehr oder durch die Menschenmassen am Berg.

Link zur Stellungnahme

Auch die Söllereckbahn plant mittelfristig eine umfangreiche Modernisierung ihres Skigebiet, im ersten Schritt steht der Schrattenwanglift an, in den kommenden Jahren folgen alle weiteren Liftanlagen sowie eine erhebliche Vergrößerung des Schneiteiches. Auch hier ist gegen die Modernisierung veralteter Lifte zunächst akzeptabel, in der Gesamtschau entpuppt sich das Vorhaben jedoch als große Belastung  für die Natur.    

Link zur Stellungnahme

Während wir das Wasserkraftwerk am Illerursprung akzeptieren konnten, leisten wir weiterhin Widerstand gegen das Wasserkraftwerk Oberau am Oberlauf der Trettach. Das Wasserkraftwerk Oberau liegt im Naturschutz– und FFH-Gebiet Allgäuer Hochalpen und entwertet die letzte verbliebene Wildflussstrecke der ansonsten bereits stark verbauten Trettach. Als BUND Naturschutz haben wir mit Unterstützung des Landes– und Kreisverbandes Klage eingereicht, finanziell hilft uns auch Mountain Wilderness Deutschland. Mit zahlreichen Interviews im Fernsehen, Printmedien und Radio waren wir öffentlich aktiv, dazu kamen Vorträge für Bildungswerke und interessierte Gruppen. 

Für die gute Zusammenarbeit bedanke ich mich bei meinem Ortsgruppenteam und bei Julia und Uli in der Geschäftsstelle, ohne die gar nichts mehr ginge… weiterhin bei Planern und Behörden für den gegenseitigen vertrauens- und respektvollen Umgang, auch wenn unterschiedliche Meinungen und Standpunkte zu Diskussionen führen. Wir freuen uns auf alles Kommende in 2020... Dank gilt allen, die mit uns auf unser Oberstdorf und Fischen schauen, alleine wäre diese Aufgabe nicht zu bewältigen. Wir könnten Verstärkung dringend gebrauchen, gerne können Sie sich bei mir melden: per Email an 4fingerfamily@gmx.deoder telefonisch unter 08322/1329.