Bachtelweiher

   Bachtelweiher - ein Weiher und seine Bäche gesunden

 

                 
 
 
Von allen Allgäuer Seen und Weihern ist der Bachtelweiher am höchsten mit Nährstoffen belastet. Unter diesem Zustand leiden Mensch und Natur - wiederholte Badeverbote in den vergangenen Jahren setzen deutliche Warnsignale. Um die Wasserqualität dieses stadtnahen Gewässers zu verbessern und die Bachläufe im Einzugsgebiet des Weihers naturnah zu gestalten, wurde von der BN-Kreisgruppe daher das Bachtelweiher-Projekt ins Leben gerufen.
Als Grundlage für konkrete Maßnahmen mussten verschiedene Studien erstellt werden: Woher stammen die Nährstoffeinleitungen im Einzugsgebiet des Weihers? Welche Strukturen und welche Wasserqualität weisen die Bachläufe auf? Welche Stoffeinträge sind von Landwirtschaft, Autobahn und Haushalten zu erwarten? Nachdem diese und weitere Fragen geklärt wurden, konnten konkrete Maßnahmen ergriffen werden:

Auf Anregung des BN ließ die Stadt Kempten oberhalb des Weihers 1998 eine sogenannte Flutmulde angelegen, die als "Nährstofffalle" dienen soll (Prinzip eines Sumpfklärbeetes).

             

                  

                                            Flutmulde; Bild: M. Muth

Gleichzeitig wurde der angrenzende Bachtelbach renaturiert, indem Uferbefestigungen entnommen und seitliche Buchten angelegt wurden.

 

                                          

Renaturierter Abschnitt des Bachtelbachs mit Polstern des Wasser-Ehrenpreises Bild: M. Muth

Es fanden Gespräche mit Landwirten im Einzugsgebiet des Weihers sowie mit der Stadt Kempten und der Gemeine Durach statt, um diese zu informieren und für die Problematik zu sensibilisieren. Als Ergebnis dieser Gespräche wurde die Einrichtung eines "runden Tisches" beschlossen, der einmal jährlich tagen wird.
Im Dezember 2000 wurde auf Anregung des BN für 31 Höfe im Einzugsgebiet des Weihers eine Hoftorbilanz erstellt, mit der Nährstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft berechnet wurden.

     

                                          

                 Einlauf vom Bachtelbach in die Flutmulde; Bild: M. Muth

Mit den genannten Maßnahmen hat der Bund Naturschutz Verbündete für die Sanierung des Weihers gefunden sowie wichtige Initiativ- und Aufklärungsarbeit geleistet. Die Kosten für dieses Projekt konnten durch eine Spende der Firma CEFAK Arzneimittel gedeckt werden.

         

                   

           Schüler pflanzen Bäume am Rand der Flutmulde Bild: A. Schreiner

Die Renaturierung des Bachtelbaches und die Anlage der Flutmulde sind als große Erfolge für den Arten- und Biotopschutz zu werten: Schilfröhrichte, Seggenriede und Nasswiesen konnten sich ausbreiten, gefährdete Pflanzen- und Tierarten haben neuen Lebensraum gefunden. In der Flutmulde leben zahlreiche Heuschrecken, rastende Bekassinen finden ideale Nahrungsbedingungen vor. Die Blauflügel-Prachtlibelle konnte den Bachtelbach besiedeln, in Gebüschen sowie auf extensiv genutzten Wiesen können Kinder die Natur erforschen.

                    

  Frühe Adonislibelle und Blauflügelige Prachtlibelle; Bild: H. Stadelmann

          

       

   Langflügelige Schwertschrecke und Sumpfschrecke; Bild: R. Mayer

Was bleibt zu tun?

Obwohl das Projekt Badeweiher nicht realisiert werden konnte, müssen weitere Bachabschnitte renaturiert werden, stellenweise sollten naturnahe Randstreifen angelegt oder Ufergehölze gepflanzt werden. Die Anlage weiterer Flutmulden ist sinnvoll, um zusätzliche Nährstofffallen zu gewinnen. Die beratenden Gespräche mit der Landwirtschaft sollen fortgeführt werden. Ebenso ist geplant, ein Naherholungskonzept für den Bereich Bachtelweiher-Schreyenwald zu erstellen. Diese Maßnahmen sichern nachhaltig den Bachtelweiher als naturnahen Naherholungsraum für die Kempter Bevölkerung und erhalten das durch die Renaturierung entstandene Tier- und Pflanzenparadies.