Kematsrieder Moos

Das Kematsrieder Moos, ein BN Grundstück am Oberjoch

Die Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu des Bund Naturschutzes in Bayern e. V. hat 2005 ein 6,5 ha großes Moorgrundstück im Kematsrieder Moos bei Oberjoch-Gemeinde Bad Hindelang, Landkreis Oberallgäu erworben.

Es handelt sich um ein weitgehend naturnahes Hoch- und Übergangsmoor mit einem Mosaik aus Latschenfilz und Offenbereichen, sowie randlich vereinzelten Fichtenbeständen.  Das Moorgrundstück umfasst dabei etwa die Hälfte des gesamten Moores. Diese naturnahe Osthälfte ist durch einen mit Hackschnitzeln belegten, in N-S-Richtung verlaufenden Fußweg von der stark parzellierten und degenerierten Westhälfte des Moores abgetrennt.

Grund des Erwerbes war die Sicherung des naturnahen Ostteiles im Kematsrieder Moos, der in einer Zone von starkem touristischen Nutzungsdruck liegt.

Am Südrand - außerhalb des Gründstückes - liegt u.a. ein privat betriebenes Moorbad mit Kiosk, sowie ein Großparkplatz als Ausgangspunkt zu den Skilanglauf- und Wandergebieten am Oberjoch.

Verschiedene, naturschutzfachlich sehr kritische Projekte wie die Errichtung des Alpinen Trainingszentrums, oder Ausbau und Teerung von Alp- und Forstwegen sahen im Kematsrieder Moos  Planungen zu Ersatz-Ausgleichsmaßnahmen vor, die unserer Ansicht nach eher Alibi-Funktion hatten.

Weiterhin wurde mit dem Gründstücksankauf ein zweckgebundenes Vermächtnis erfüllt, das die Kreisgruppe im Jahr 1987 "zum Erhalt der Alpenflora" von Frau Margarethe Stölzle angenommen hatte.

Grundstücksbeschreibung:

Lage und angrenzende Nutzungen:

Das Kematsrieder Moos liegt auf ca. 1100 m ü NN im Osten des Dorfes Oberjoch, einem bekannten Wander- und Wintersportgebiet in den Allgäuer Alpen. Der rund 6,5 ha große Ostteil ist durch einen Fußweg vom parzellierten Westteil des Moores getrennt.
Im Norden, Osten und Süden grenzen überwiegend extensive landwirtschaftliche Grünlandflächen mit hohem naturschutzfachlichem Wert an das Moor. Im Südwesteck des Ostteiles befindet sich angrenzend an das BN-Grundstück ein kleines Moorbad mit Moorbecken, Liegewiese und Kiosk, das im Sommer stark frequentiert wird.
Südlich der Verbindungsstraße nach Österreich schließen sich die Hänge der Iseler-Bergkette an. Hier befinden sich zahlreiche Liftanlagen und eine der bayernweit derzeit größten flächigen Beschneiungen von knapp 30 ha Fläche. An der Standard-Abfahrt des Iseler-Liftes wurde das Alpine Trainingszentrum Allgäu gebaut.            

Geologie:

Der Moorkörper ist eine auf Dolomitschutt und Kalkquellmoor aufgewachsene Regenmoorkalotte und als Hangmoor in Süd-Nord-Ausrichtung ausgebildet.
Der Torfkörper wird in der Mitte von Quellbächen aus dem Nordhang des Iselers unterflossen, auf dem höchsten Teil des Moorkörpers finden sich einzelne Erosionstrichter und schwach schüttende Quellaustritte.
Der ursprünglich als Moorstillstandskomplex eingestufte Ostteil mit ausgeprägt konzentrischen Schlenken von der höchsten Stelle hangabwärts zeigt seit den Wiedervernässungen durch den BN wieder Zonen mit deutlichem Torfwachstum.

Vegetation:

Vorherrschend ist ein subalpiner Latschenfilz mit offener Moorweite in Teilbereichen. Die Offenbereiche werden von einem Übergangsmoor mit viel Torfbinse (Trichophorum cespitosum) und Weißem Schnabelried (Rhynchospora alba) eingenommen.  Offene Schlammschlenken mit eingeschränktem Torfmooswachstum herrschen aufgrund der Höhenlage vor, sind aber zerstreut mit Schlammsegge (Carex limosa) bedeckt. Wüchsige Sphagnen finden sich an Quellaustritten und besonders neu im Staubereich der verschlossenen Entwässerungsgräben.
Das Randgehänge ist im Norden stark ausgeprägt, hier macht sich in der Vegetation der Einfluss der Kalkquellaustritte bemerkbar: Die ehemals streugenutzte Fläche weist ein Mosaik aus Hochstauden- und Großseggenbeständen auf.
Der Randwald im Süden dagegen wird von hohen Fichten bestockt.
Beispielhaft seien einige wertgebende Arten genannt:

  • diverse Torfmoose    z. B. Sphagnum magellanicum,
  • weißes Schnabelried  Rhynchospora alba (rasig)    RL 2
  • Rundblättriger Sonnentau  Drosera rotundifolia     RL 3
  • Gelbe Korallenwurz Corallorhizza trifida, Randgehänge  RL 3
  • Höswurz Pseudorchis albida , Randgehänge   RL 3

 

Kematsrieder Moos, Ostteil. Mosaik aus Offenbereichen mit Übergangsmoor, Latschenfilz und randlich schmalem Moorrandwald. Im Hintergund Iseler-Berghänge und -gipfel. Aufnahmerichtung: SSW.

Fauna:

Besonders bedeutend ist der Bestand an moortypischen Libellen, die ihre Populationen gerade in den Aufstaugewässern erheblich ausweiten konnten :

  • Coenagrion hastulatum ( Speerazurjungfer ) RL 3
  • Aeshna subarctica ( Hochmoormosaikjungfer) RL 2
  • Leucorrhinia dubia (Kleine Moosjungfer)   RL 3
  • Somatochlora alpestris (Alpen-Smaragdlibelle)  RL 1
  • Somatochlora arctica (Arktische Smaragdlibelle)  RL1 

Arktische Smaragdlibelle (Foto Herbert Stadelmann, Allgäuer Moorallianz)

Aufgrund der Biotopausstattung (Schlenken, randliche Streuwiesen, diverse Habitatstrukturen) kommen zahlreiche  weitere naturschutzfachlich wertvolle und z. T. moorspezifische Arten vor. Nachgewiesen sind etwa Hochmoorgelbling, Hochmoorperlmuttfalter, Sumpfgrashüpfer, Goldammer und Baumpieper.

Hochmoorgelbling (Foto Herbert Stadelmann, Allgäuer Moorallianz)

Nutzungsgeschichte:

Auf der westlichen Hälfte wurde Torfabbau bis in die 1950er Jahre betrieben.  Hier findet sich ein "ausgenagter", kleinparzellierter Moorkörper mit entsprechend kleinflächigem Wechsel verschiedenster Moor-Degradationsstadien.  Teilweise wurde als Folge des BN-Projektes auch dieser Teil durch die ALE wiedervernässt und entbuscht.

Die östliche Hälfte dagegen war nur durch vereinzelte Entwässerungsgräben, die mehr als 50 Jahre alt sind, degradiert. Deren Auswirkungen wurden allerdings unterschätzt. Nachdem diese durch den BN wieder geschlossen worden waren, setzte viel stärkeres Torfmooswachstum ein  als erwartet.
Am nach Süden angrenzenden Moorbad mit Moorhütte und Gastronomie zeigen sich nach wie vor  kleinflächig Trittschäden. 

Schutzstatus:

Die gesamte zu erwerbende Fläche ist nach § 13d BayNatSchG geschützt. Weiterhin liegt das Kematsrieder Moos im Landschaftsschutzgebiet "Grünten und Wertacher Hörnle" (780.22) als Element einer "komplexen Berglandschaft". Zusammen mit weiteren Moorbereichen in der näheren Umgebung gehört das Kematsrieder Moos laut ABSP (Stand 1994) zu einem Komplex an Feuchtgebieten und Mooren "mit herausragender Bedeutung" im Alpenraum.

Erklärung zu Betreuung und Pflege:

Die Kreisgruppe Kempten - Oberallgäu hat nach Ankauf des Grundstückes in Eigenleistung eine Bestandsaufnahme mit Pflege- und Entwicklungskonzept erstellt. Der AK Alpen der Jugendorganisation des BN (JBN) hat unter Regie von Alfred Karle-Fendt die Entwässerungsgräben aufgestaut.

 

Alfred Karle-Fendt (rechts) und Jugendliche des JBN beim Bau eines Grabenstauwerkes

Die Wiedervernässung ist bis auf kleine Nachbesserungen abgeschlossen. Das Kematsrieder Moos kann nun im BN-Teil wieder seine ursprüngliche Eigendynamik entwickeln.